Den Auftakt zur GROW-Vortragsreihe im Sommersemester 2018 bildeten am 08.05.2018 zwei Vorträge von Absolventen der Hochschule Albstadt-Sigmaringen, die sich zum Teil schon vor und während des Studiums mit dem Thema Gründung beschäftigt haben.

Am Beispiel der jeweils eigenen Success-Story berichteten die Vortragenden über Entstehung, Motivation und Herausforderungen im Zuge ihrer Selbstständigkeit.

 

 

Adrian Hölz - Entrepreneurship im Nebenerwerb

Zunächst berichtete Adrian Hölz über die Entwicklung seines Unternehmens, das die Reinigung von Solar- und Photovoltaikanlagen anbietet. Den Anstoß für die Selbständigkeit erhielt Hölz schon 2008, als er im Zuge der Reinigung der elterlichen Photovoltaikanlage Schwierigkeiten hatte, eine geeignete Firma im süddeutschen Raum zu finden.

Kurzerhand entschloss sich Hölz, es mit Waschanlagenbürsten selbst zu versuchen. Im Rahmen dieser Aktion wurden Anwohner und Nachbarn aufmerksam und zeigten ebenfalls Interesse und Bedarf für die professionelle Solarreinigung. Auf Grundlage dieser Erfahrung entschloss sich Hölz, gerade mal 20-jährig, für den Gang zum Rathaus, um eine Gewerbeanmeldung vorzunehmen. Nach und nach kam er mit verschiedenen Behören, u.a. dem Finanzamt in Kontakt und legte somit Schritt für Schritt den Grundstein für sein Unternehmen.

In der Zwischenzeit hatte Hölz das Studium des Wirtschaftsingenieurwesens an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen begonnen und befasste sich in der Abschlussarbeit mit der Entwicklung einer elektrisch angetriebenen Reinigungsbürste für die Solarreinigung.

Gleichwohl zeigte Hölz aber auch Grenzen seines Geschäftmodells auf. Durch den Wegfall der EEG-Umlage für regenerativ erzeugte Elektrizität werde es in dem kommenden 10 Jahren immer schwieriger, Kunden zu finden, die bereit seien, mehrere hundert Euro für die Solarreinigung zu investieren, wenn dieser Betrag am Ende durch den verbesserten Ertrag der Solarmodule kaum mehr erwirtschaftet werden kann. Außerdem handele es sich um ein klassisches Saisongeschäft, so Hölz, mit Schwerpunkt im Frühjahr und Frühsommer. Im Herbst und Winter, wo die Anlagen ohnehin kaum Ertrag bringen, hätte niemend großes Interesse an einer Reinigung.

Demzufolge sieht Hölz auch die Zukunft seines Unternehmens durchaus kritisch. Für weitere Mitarbeiter fehle derzeit eine durchgängige Auftragsbasis, außerdem steige der administrative Aufwand überproportional an. Insofern zeigte sich Hölz dennoch zufrieden, dass er die Tätigkeit im Nebenerwerb mehr oder weniger als Hobby ausführen kann, aber daneben regulär in der Industrie beschäftigt ist. So habe man praktisch "Null Risiko", vorausgesetzt der Arbeitgeber gestattet den Nebenerwerb, erklärte Hölz.

Abschließend gab Adrian Hölz den Besuchern den Rat mit auf den Weg, es einfach mal zu versuchen, man könne im Prinzip nur gewinnen, auch wenn es schief gehen sollte, so Hölz, denn die Erfahrung und die persönliche Weiterentwicklung seien ebenso wertvolle Errungenschaften in diesem Kontext.

 

 

 

 

Ursula Mock - Ecosocial Entrepreneurship

Der zweite Vortrag am 08.05.2018 wurde von Ursula Mock präsentiert. Frau Mock hat sich schon während des Studiums des Textil- und Bekleidungsmanagements an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen mit Nachhaltigkeit und alternativen Naturfasern beschäftigt. Zugleich ist sie von der Psychologie des Menschen fasziniert und sieht in ihrem Unternehmen "hanfliebe" auch ein Stück weit ein Bewusstseinsexperiment.

Für Mock ist es wichtig, Selbstständigkeit auch mit Selbstverantwortung, selbstbestimmtem, nachhaltigen Handeln und ökologischer Verantwortung zu kombinieren. Aus dieser Überzeugung heraus hat sie sich intensiv mit der Entwicklung von Stofffasern aus Hanfpflanzen beschäftigt, da Baumwolle und synthetische Stoffe keine ökologische Alternativen darstellen (Wasserverbrach, Einsatz von Herbiziden und Pestiziden, Mikroplastik).

Die größte Herausforderung in diesem Zusammenhang sei das Herstellungsverfahren. Laut Mock gäbe es kaum Maschinen für das Wirken und Stricken des Hanfgarnes. Deshalb ist Mock's wichtigstes Engagement derzeit, ein Netzwerk aus Produzienten, Herstellern und interessierten Kunden und Zwischenhändlern aufzubauen. So hat Mock bspw. eine Regionalkonfernz im Chiemgau initiiert, an der Landwirte aus dem Alpenraum teilgenommen haben, die an dem Hanfanbau Interesse zeigen.

Inzwischen scheint Hanf neben der Betäubungsmittelproblematik aber zunehmend auf Akzeptanz zu stoßen. So baue China bereits auf über 60.000 Hektar Hanfplanzen für die Textilindustrie an. Auch hierzulande gäbe es verstärkte Aktivitäten, Hanf unter behördlicher Aufsicht und Kontrolle anzubauen.

Nachhaltigkeit ist aber auch ein Kernthema bei der Finanzierung von "hanfliebe". Nach eigener Aussage hat Ursula Mock noch nie einen Businessplan geschrieben. Für sie ist es wichtig, dass sich das Unternehmen selbst trägt und natürlich entwickelt, analog zu dem Wachstum von Pflanzen.

Am Beispiel des Gefälles von Fertigungskosten in Niedriglohnländern (bspw. Kroatien) beschrieb Mock, dass auch hier oftmals zu kurzfristig oder zu kommerziell gedacht wird. Was bringe es, 5000 Unterhosen aus Hanffasern im Ausland zu günstigen Konditionen fertigen zu lassen, wenn vielleicht nur 500 davon an Kunden verkauft werden können, gibt Mock zu bedenken.

Angesprochen auf das Thema Vertriebskanäle und Produktion erklärt Mock, dass derzeit auf ihrer Homepage kein Webshop integriert sei, da dies wiederum zusätzliche gewerberechtliche Genehmigungen und Auflagen zur Folge hätte.

Anfragen zu den auf der Homepage gelisteten Produkten, Textilien, Stofffasern und Garnen werden derzeit per E-Mail beantwortet und an das Netzwerk an Produzenten etc. weitergeleitet, die auch Kleinserien und geringe Stückzahlen anbieten können. Die wachsende Bedeutung von Hanf als "Faser der Zukunft" sei für Mock abschließend die beste Bestätigung, ihr Engagement weiterzuführen und zu vertiefen.

 

 

 

 

 

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