Go youR Own Way

 

Einordnung des Projektes

Der Projekttitel spiegelt das zentrale Ziel in der Ausbildung eines Entrepreneurial Spirit an den Hochschulen wider: ein Gründer muss seinen eigenen Weg gehen. Dies stellt heraus, dass die Persönlichkeit des Gründers sowie die individuelle Idee im Mittelpunkt steht und sich die Maßnahmen des Projektes aus diesem Ziel ableiten. Das neu entstehende Projekt soll Studierende motivieren, ihre Ideen in ein Unternehmen auszugründen, und diese in allen Phasen der Gründung, von der Ideenfindung bis hin zur Realisierung unterstützen.

Dabei ist einerseits die wichtige Erweiterung und Vertiefung des bestehenden fachlichen Lehrangebotes geplant, andererseits wird die Ausbildung einer lebendigen und modernen Gründerkultur durch fach- und hochschulübergreifende Angebote und gemeinsame Projekte gefördert. Darüber hinaus zeichnet sich der Antrag durch seinen Netzwerkcharakter im Raum Oberschwaben aus.

Die Grundlage für diesen Ansatz bietet das Konzept des  „Entrepreneurial Design“ und des „Egopreneurship“, das wesentlich von Faltin (Faltin, 2009) entwickelt wurde. Die Theorie des „Entrepreneurial Designs“, die darauf basiert, dass nicht eine Idee den Erfolg einer Gründung bringt, sondern die individuelle Abstimmung auf den Gründer und die systematische Erarbeitung eines tragfähigen Konzeptes, bildet die Grundlage unserer Vorgehensweise. In herkömmlichen Gründungsberatungen steht meist die Gründungsidee im Mittelpunkt und es wird davon ausgegangen, dass diese Idee bereits existiert. Diesem objektorientierten Ansatz setzt das Projekt „GROW“ den subjektorientierten Ansatz entgegen: GO YOUR OWN WAY macht deutlich, dass Technologie allein nicht genügt, sondern die Idee auch zum Gründer passen muss (analog zu Faltin's Theorie des Egopreneurships). Darüber hinaus liegt ein Schwerpunkt darauf, Ideen zu wecken und mehr Studierende anzuregen, sich zu einem Gründer zu entwickeln.Dies wird durch ein systematisches und methodisch fundiertes Vorgehen in Anlehnung an die Didaktik des Entrepreneurship Campus gefördert (Faltin, Entrepreneurship Campus, 2016).

Die Maßnahmen im Projekt GROW orientieren sich am Ansatz von FALTIN (2009). Ergänzt werden diese Ansätze durch aktuelle Gründungsformen, die teilweise auch ohne großes Eigenkapital und finanzielles Risiko die Umsetzung einer Idee ermöglichen, wie z.B. Smart Business Concepts, Bootstrapping und User-centered Design Process. Hinzu kommen allerdings auch Gründungsformen, welche technologie- und kapitalintensiv angelegt sind und Finanzierungstechniken – etwa Venture Capital oder Business Angels - benötigen

Das junge Lehrgebiet des Entrepreneurship hat – auch international – bislang keine einheitliche inhaltliche Ausbildungsrichtung gefunden. Verfolgt werden soll ein prozessorientierter Ansatz in Anlehnung an FALTIN (2009), welcher die unternehmerischen Problembereiche und Lösungsmethoden für die entwicklungsspezifischen Phasenabschnitte  des Unternehmens beleuchtet und herausarbeitet.  Hinzu kommen Methoden, die als  Erweiterung der klassischen Lehre verstanden werden; sie orientieren sich weitgehend  an personzentrierten Ansätzen, wie z.B. Mockups, Design Thinking, Use Cases, Gründungstheater (Rollenspiele).

Die gemeinsamen Dimensionen der Gründungskultur

Die spezifische Ausrichtung jeder Hochschule für Angewandte Wissenschaften erfordert die Fokussierung auf die jeweiligen Bedingungen und Voraussetzungen in der fachlich-inhaltlichen Ausrichtung, der regionalen Zielsetzung aber auch im Hinblick auf die  Zusammensetzung der Studierendenschaft.

Hochschulübergreifend wurden hieraus für GROW folgende Dimensionen zur Förderung einer lebendigen Gründerkultur definiert:

Digitalisierung

Interkulturalität

Regionalität

Gender

 

Digitalisierung:

Das Thema Industrie 4.0 und Digitalisierung beschäftigt die Hochschulen und die Unternehmen gleichermaßen und birgt für gründungsinteressierte Studierende viele spannende und lohnende Ideen (Dorst, 2016). Diese interdisziplinär und hochschulübergreifend in Projekten zu erarbeiten und damit Gründung im geschützten Raum der Hochschulen erlebbar zu machen, ist ein wichtiger Schritt in Richtung der Umsetzung individueller Ideen im Zuge der rasanten Digitalisierung von Wirtschaft und Alltag (Sommer, 2015).

Gemäß der Empfehlungen des Onlinemagazins Gründerszene (Doppelberger, 2015) stehen die richtige Auswahl der Technologie und die Netzwerkbildung im Zentrum der Erfolgschancen für ein Start-Up-Unternehmen im Umfeld der Digitalisierung. Diese Empfehlungen werden in GROW aufgegriffen und über Kooperationen in Studium und Lehre umgesetzt.

 

Interkulturalität:

Das Thema Interkulturalität wird im Projektvorhaben in mehrfacher Weise bearbeitet.

Ein vertieftes Verständnis von Interkulturalität ist notwendig, sobald regionale Märkte verlassen werden und der Sprung in überregionale oder gar internationale Wettbewerbsarenen gewagt wird (Bleicher & Steiner, 2002) . So wichtig die regionale räumliche Dimension für erfolgreiche Gründungsprozesse auch erscheint, da hier die notwendigen face-to-face Beziehungen entstehen können(Noria & Eccles, 1992) so notwendig erscheint jedoch auch die rechtzeitige Eroberung eines größeren Raums , damit die Gründungen nicht in einer ‚Kirchturmsökonomie‘ verharren.

Die Analyse der Zusammensetzung der Studierendenschaft an den beteiligten Hochschulen zeigt einen starken Anteil an Studierenden mit Migrationshintergrund und einen wachsenden Anteil ausländischer Studierender auf jüngste Studien belegen einen Unterschied m Gründungsverhalten von Studierenden mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund (Sommer & Haug, 2011) (Sommer, 2009). In der Nutzung der Synergien der unterschiedlichen Haltungen und Ideen liegt ein großes Potenzial zur Förderung einer lebendigen Gründerkultur.

Das diese Gründungsaktivitäten gerade von Migranten von hoher wirtschaftlicher Bedeutung für Deutschland seien können, zeigt ein Blick in die Vereinigten Staaten von Amerika: „Studien zeigen, Migration hat den Vereinigten Staaten zu enormem Fortschritt verholfen. 51 Prozent aller amerikanischen Start-ups, die mit mindestens einer Milliarde Dollar bewertet sind, von Migranten gegründet wurden“ (Timmler, 2016).

 

Regionalität:

Die Gründungsförderung an den Hochschulen im Land Baden-Württemberg steht bundesweit an letzter Stelle (Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft e.V., 2016). Die baden-württembergische Gründerszene konzentriert sich auf Städte wie Stuttgart und Karlsruhe, die als fünfte Gründerregion Deutschlands in 2016 neu in den Deutschen StartUp Monitor aufgenommen wurde (Ripsas & Tröger, 2015). Die die Anzahl  innovativer Geschäftsmodelle in ländlichen Räumen wie Oberschwaben erweist sich als sehr überschaubar (Reichert, 2016). Die Förderung eines Entrepreneurial Spirit in der gesamten Region Oberschwaben durch Kooperationen der dortigen Hochschulen erscheint vor diesem Hintergrund umso bedeutsamer im Hinblick auf die  Förderung  der Gründerszene in Baden-Württemberg.

Die spezifische Einbindung in die Region ist ein wesentliches Merkmal der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften. So ist die fachliche Ausrichtung der Hochschulen geprägt von den Bedarfen der umliegenden Industrie und umliegenden sozialen Einrichtungen.

Dadurch haben sich über die gesamte Zeit des Bestehens der jeweiligen Hochschulen Partnerschaften gebildet, welche für die Regionalentwicklung entscheidend sind. Die verstärkte Vernetzung aller Verbände, Unternehmen, Institutionen und Hochschulen in einer ländlichen Region wie Oberschwaben wird auf Zukunft gesehen eine Schlüsselposition im Hinblick auf die demographische und wirtschaftliche Entwicklung einnehmen.

Die Partnerschaften der einzelnen Hochschulen werden in diesem Sinne für Kooperationen in Gründungsinitiativen intensiv genutzt und ausgebaut. Gründernetzwerke in der Region werden ebenso eingebunden wie Beratungen mediärer Organisationen (regionaler Kammern und Wirtschaftsförderer).

 

Gender:

Der weitaus überwiegende Anteil der Start-Up-Gründer ist männlich. Nur 13% aller Start-Up-Gründer in 2015 sind Frauen (Ripsas & Tröger, 2015).

Daher liegt ein wichtiges Projektziel aller Hochschulen in der Unterstützung und Motivation von Studentinnen, sich mit der Idee und Planung einer Gründung auseinanderzusetzen.

Erfahrungen in der Lehre und in der Umsetzung von Gründung zeigen ein geschlechterspezifisches Verhalten auf: Frauen suchen in der Gründung meist ein sanftes langfristig erfolgreiches und vorsichtiges Vorgehen, während männliche Gründer nach schnellem hohem Wachstum streben. Letztere Strategie wird momentan von Investoren bevorzugt und daher eher gefördert.

Ziel des Projektes GROW wird sein, diese unterschiedlichen Herangehensweisen in gemeinsamen Projekten zu nutzen, um gemeinsame Projekte zu realisieren und Frauen gezielt in ihrem Gründungswillen zu bestärken und zu fördern.

 

Quellen:

Arnolds, B. J., & Maier, T. (März 2016). gründen uni-freiburg - Broschüre Gründungs ABC.  Von http://www.gruenden.uni-freiburg.de/wp-content/uploads/Broschuere-Gruendungs-ABC-2016_Doppel.pdf abgerufen

Bleicher, A., & Steiner, R. (2002). Funktionsweise und Potentiale regional vernetzter Geschäftsbeziehungen - Das Beispiel Brandenburg. In J. Fischer, & S. (. Gensior, sprungbrettt region? Strukturen und Voraussetzungen vernetzter Geschäftsbeziehungen (S. 105-134). Berlin.

Doppelberger, T. (22. April 2015). Fünf Tipps, wie Startups in der Industrie 4.0 durchstarten. Von http://www.gruenderszene.de/allgemein/industrie-4-0-tipps-startups abgerufen

Dorst, W. (10. Mai 2016). Thema: Industrie 4.0. Von Bitkom, Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V.; Dorst, W.: https://www.bitkom.org/Themen/Branchen/Industrie-40/index.jsp abgerufen

Eyser, F. G. (2015). Stuttart und Karlsruhe: in: FÜNF GRÜNDER, FÜNF REGIONEN, FÜNF MAL MEHR ALS 100 GESCHAFFENE ARBEITSPLÄTZE. S. Ripsas und S. Tröger: 3DSM - Deutscher Start-up Monitor, S. 8.

Faltin, G. (2009). Kopf schlägt Kapital. Die ganz andere Art, ein Unternehmen zu gründen. Von der Lust, ein Entrepreneur zu sein. München: Carl Hanser Verlag.

Faltin, G. (10. Mai 2016). Entrepreneurship Campus. Von https://www.entrepreneurship.de/ abgerufen

Meidert, M. (2016). in: A. Reichert: Unternehmern fehlt das Netzwerk - Ländliche Regionen brauchen bessere Infrastruktur für erfolgreiche Start-up-Kultur. Schwäbische Zeitung vom 30.04., 7.

Noria, N., & Eccles, R. (1992). Face-to-Face. Making Networkorganizations work. . In N. Noria, & R. (. Eccles, Network and Organization. Structure, Form, and Action. Boston.

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Ripsas, S., & Tröger, S. (2015). 3.DSM - Deutscher Start-up Monitor. Von http://deutscherstartupmonitor.de/fileadmin/dsm/dsm-15/studie_dsm_2015.pdf abgerufen

Sievers, H. (2015). Bewusstsein für Traditionen ist Motor für Innovationen. Wirtschaftsstandort Landkreis Ravensburg, 3.

Sommer, L. (2009). Degree of Internationalization – A Multidimensional Challenge. Journal of Applied Business Research.

Sommer, L. (2015). Industrial Revolution - Industry 4.0: Are German Manufacturing SMEs the First Victims of this Revolution?

Sommer, L., & Haug, M. (2011). Intention as a Cognitive Antecedent to International Entrepreneurship - Understanding the Moderating Roles of Knowledge and Experience.

Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft e.V. (10. Mai 2016). Gründungsförderung - Startseite - Ländercheck:. Von Die Hochschule als Gründungswerkstatt: http://www.laendercheck-wissenschaft.de/gruendungsfoerderung/index.html abgerufen

Timmler, V. (2016). Migranten sind die besseren Start-Up-Gründer. Süddeutsche Zeitung . Von http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/zuwanderung-migranten-sind-die-besseren-start-up-gruender-1.2913612 abgerufen


 

 

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